Das Insolvenzverfahren für Unternehmen

Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig und kann seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, hat es die Pflicht, ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Doch auch die Gläubiger des Unternehmens können diesen Antrag stellen.

Bei einem Insolvenzverfahren handelt es sich um ein Gesamtvollstreckungsverfahren. Ziel ist es, bestehende Verbindlichleiten zu regeln und Gläubiger auszuzahlen oder die Zahlungsfähigkeit des Schuldners mithilfe eines Insolvenzplans wieder herzustellen. Grundsätzlich ist vom Insolvenzverfahren das Vermögen juristischer Personen, wie etwa einer GmbH, aber auch das natürlicher Personen betroffen.
Das Vorgehen bei einem Insolvenzverfahren ist in der sogenannten Insolvenzverordnung, kurz InsO, geregelt.

Pflicht der Insolvenzbeantragung

Kann ein Unternehmen seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, ist es dazu verpflichtet, ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Geschieht dies nicht, obwohl der Unternehmer weiß, dass er zahlungsunfähig ist, spricht man von einer Insolvenzverschleppung. Aufgrund dieser gefährdet der Unternehmer die Ansprüche seiner Gläubiger. Aus diesem Grund bleibt die Insolvenzverschleppung in der Regel nicht ohne Folgen. Sie steht unter Strafe und kann zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren führen.
Es gibt jedoch auch Ausnahmen. So sind Privatpersonen, Kleingewerbetreibende und Selbstständige nicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens verpflichtet.

Ablauf des Insolvenzverfahrens

Ordner mit Aufschrift Insolvenzverfahren

Das Vorgehen bei einem Insolvenzverfahren ist in der Insolvenzverordnung geregelt.

Der Insolvenzantrag wird in schriftlicher Form beim zuständigen Gericht eingereicht. Bei diesem handelt es sich um das Amtsgericht, das für den Bezirk des Unternehmenssitzes zuständig ist.
Dieses prüft zunächst die Zulässigkeit des Insolvenzverfahrens. Geschaut wird etwa, ob das Unternehmen über eine Insolvenzmasse verfügt, aus der die Forderungen der Gläubiger zumindest in Teilen beglichen werden können.
Eröffnet werden kann das Insolvenzverfahren nur, wenn ein Eröffnungsgrund vorliegt. Dieser kann etwa in der Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens oder in der Überschuldung begründet sein. Auch eine drohende Zahlungsunfähigkeit gilt als Insolvenzgrund.

Als zahlungsunfähig gilt der Schuldner, wenn er seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Man geht etwa von einer Zahlungsunfähigkeit aus, wenn der Schuldner seine zu tätigenden Zahlungen nicht mehr leistet.

Mit dem Begriff der drohenden Zahlungsunfähigkeit ist gemeint, dass der Schuldner mit großer Wahrscheinlichkeit zukünftig nicht dazu fähig sein wird, seinen finanziellen Verpflichtungen fristgerecht nachzukommen. Ziel ist es hier, dem Schuldner schon frühestmöglich die Gelegenheit einzuräumen, ein Insolvenzverfahren einzuleiten.

Auch die Überschuldung gilt als ein Insolvenzgrund. Gemeint ist etwa, wenn die bestehenden finanziellen Verpflichtungen über dem Vermögen des Unternehmens liegen.

Wird festgestellt, dass ein Insolvenzgrund vorliegt, wird durch das das zuständige Amtsgericht ein Insolvenzverwalter bestimmt. In der Regel handelt es sich dabei um einen Rechtsanwalt. Ein Mitspracherecht, wer als Insolvenzverwalter bestellt werden soll, haben weder der Unternehmer noch die Gläubiger. Sind diese allerdings nicht mit dem bestimmten Verwalter einverstanden, haben sie in der in ersten Gläubigerversammlung, zu der der Insolvenzverwalter einlädt, die Möglichkeit, einen neuen Insolvenzverwalter zu wählen.

Sobald der Insolvenzverwalter bestimmt ist, ist dieser für das Unternehmensvermögen zuständig. Der Firmeninhaber, der gesetzliche Vertreter einer juristischen Person (beispielsweise GmbH, AG, UG) hat ab dann keinerlei Befugnis mehr, selbstständig auf dieses zurückzugreifen.

Die Aufgabe des Insolvenzverwalters ist es, das noch vorhandene Vermögen zu verwalten und dafür zu sorgen, dass die Gläubiger ihr Geld oder zumindest einen Teil davon erhalten. Dazu melden sie ihre Forderungen für die sogenannte Insolvenztabelle an. diese wiederum wird durch den Insolvenzverwalter erstellt.

Insolvenzverfahren: Keine Vollstreckung nach Eröffnung

Wenn das Insolvenzverfahren eröffnet ist, darf nicht mehr vollstreckt werden.Die Höhe der Summe, die die Gläubiger erhalten, wird dann prozentual anhand der vorhandenen Insolvenzmasse und der Anzahl der Insolvenzforderungen errechnet.

Über das weitere Vorgehen des Verfahrens gibt der individuelle Insolvenzplan Auskunft. Stimmt der Schuldner diesem zu, wird er durch die Gläubiger angenommen und durch das Insolvenzgericht bestätigt, wird die Aufhebung des Insolvenzverfahrens durch das Insolvenzgericht beschlossen.
Die Dauer des Regelinsolvenzverfahrens beträgt bei juristischen Personen durchschnittlich vier Jahre, bei natürlichen Personen zwei Jahre.

Weitere interessante Artikel im Rechnungswesen Magazin

  • Steuersoftware 2015 – Taxman, WISO und Co.15. Mai 2015 Steuersoftware 2015 – Taxman, WISO und Co. 31. Mai, 31. Dezember oder doch dazwischen? Der Frühlingsanfang liegt bereits hinter uns, es dauert nicht mehr allzu lang und die Sommersaison beginnt. Doch bevor Sonnenbaden, Wassersport […] Posted in Tipps & Tricks
  • Kreditausnutzungsquote in der heutigen Kreditlandschaft5. Dezember 2016 Kreditausnutzungsquote in der heutigen Kreditlandschaft In diesem Artikel geht es um Grundlagen im Kreditwesen: Kredit, Kreditrisiko, Kreditausnutzungsquote Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Kredit ein Darlehen, das einem Unternehmen oder […] Posted in Tipps & Tricks
  • Fahrtkosten absetzen1. Juli 2016 Fahrtkosten absetzen Insbesondere Selbstständige müssen immer ihre Einnahmen und Ausgaben im Blick haben. Zu diesen Ausgaben gehören beispielsweise auch Fahrtkosten. Diese können spätestens mit Blick auf die […] Posted in Tipps & Tricks
  • Gewinnsteuerung durch die Erfolgsrechnung6. Oktober 2016 Gewinnsteuerung durch die Erfolgsrechnung Die Erfolgsrechnung dient der Ermittlung des Erfolgs innerhalb eines bestimmten Zeitabschnittes. Bisher war die Geschäftsleitung von der XY GmbH zufrieden, wenn der Gewinn nach […] Posted in Tipps & Tricks
  • Bewirtungsbelege richtig ausfüllen1. Dezember 2013 Bewirtungsbelege richtig ausfüllen Bewirtungsbelege gehören zu den Formularen, die am häufigsten fehlerhaft ausgefüllt sind und daher bei der Betriebsprüfung durch das Finanzamt abgelehnt werden. Hierbei sind einige […] Posted in Tipps & Tricks
Veröffentlicht in Tipps & Tricks