Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung

Diskutieren Sie Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung im Umsatzsteuer Forum im Bereich Rechnungswesen - Steuern; Hallo zusammen, ich hätte gerne eure Einschätzung zu folgendem Fall. "Wir" sind eine deutsche Firma A, B ist eine weiter deutsche Firma, C ist eine...

  1. Bilanzbuchhalter
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    Hallo zusammen,

    ich hätte gerne eure Einschätzung zu folgendem Fall.

    "Wir" sind eine deutsche Firma A, B ist eine weiter deutsche Firma, C ist eine Firma in Österreich.

    B (der NICHT mit einer österreichischen VAT auftritt bei der Bestellung) bestellt bei uns (A) eine Maschine, welche wir direkt an Firma C in Österreich haben liefern lassen (per Spedition welche wir beauftragen).

    Aktuell ist die Rechnung von A an B mit deutscher Umsatzsteuer ausgestellt, was damit begründet wird, dass B nicht mit österreichischer VAT auftritt. Die Lieferungadresse von C (Österreich) wird aber auf der Rechnung klar gezeigt. Rechnungsanschrift ist die deutsche Adresse von B.

    - Grundsätzlich: Handelt es sich hier um ein Reihengeschäft?
    - Die bewegte Lieferung wäre die zwischen A und B, da durch A (uns) die Lieferung an C in Auftrag gegeben wurde.
    - Wäre es dann nicht eine steuerfreie IG-Lieferung nach Österreich und A müsste eine Rechnung ohne Steuer an B austellen?

    Ich bin verwirrt...

    Mir ist nicht ganz klar in wie weit das aufbringen der deutschen VAT des deutschen Kunden B aus der Lieferung nach Österreich eine steuerbare und nicht steuerfreie innerdeutsche Lieferung macht?

    Wie würde ihr denn den oben genannten Fall aus Sicht von A einschätzen? Mir ist nicht ganz klar wie die Angabe (oder nicht Angabe) den ganzen Fall beeinflusst...

    Reihengeschäft: Ja oder nein?
    Rechnung von A an B mit Steuerausweis: Ja oder nein?

    Vielen lieben Dank im Voraus :) !!
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #1 13. November 2018
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  3. Christian24
    Christian24 Erfahrener Benutzer
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    Hallo Bilanzbuchhalter,

    wie Du richtig erkannt hast, handelt es sich um ein Reihengeschäft. Nachdem Euer Kunde unnötigerweise mit deutscher USt-IdNr. aufgetreten ist, ist die Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen nicht anwendbar, § 6a UStG i. V. m. § 17c (1) UStDV; deutsche USt ist daher auszuweisen. Euer Kunde muß gleich zweimal Steuer zahlen, in D und in A, § 3d UStG.

    Euer Kunde muß sich also eine österreichische UID besorgen und Euch präsentieren; dann könnt Ihr Eure Rechnung berichtigen.

    LG Christian
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #2 13. November 2018
  4. Bilanzbuchhalter
    Bilanzbuchhalter Neues Mitglied
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    Vielen Dank Christian. :)

    Also kann man pauschal sagen, dass die Angabe der VAT "über" dem tatsächlichen Lieferort steht? Zumindest aus Sicht des Lieferanten und bei IG Lieferungen.

    Wie würde sich das Ganze bei einer Lieferung ins Drittland darstellen? (C = Schweiz) Würde hier das Auftreten von B mit deutscher VAT ebenso eine Darstellung unserer Rechnung (A) als Ausfuhr verhindern?

    Grüße und schönen Tag
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #3 14. November 2018
  5. Macaslaut
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    Ich würde sagen- Nein. Die Voraussetzung für eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung ist nicht nur das Verbringen der Ware in das übrige Gemeinschaftsgebiet, sondern auch die Besteuerung im land des Erwerbers. Diese Besteuerung wird durch den Ausweis der Ustd.Nr. des jeweiligen landes garantiert. Solch eine Voraussetzung gibt es bei der Ausfuhrlieferung nicht. Nach § 6 Abs.1 3a kann auch ein deutscher Unternehmer die Ware erwerben. Dass er dabei die VAT des anderen Landes zeigen muss, steht im Gesetz nicht. Die wichtigste Vorausssetzung: die Ware muss in im Drittland gelangen.
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #4 14. November 2018
  6. Bilanzbuchhalter
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    Hallo zusammen,

    danke für die Antworten, hat mir weitergeholfen :)

    Ich habe noch einen Fall und mach deswegen nicht extra noch einen Thread auf. Gerne auch hier eure Einschätzungen beisteuern ;)

    Ein deutscher Kunde beauftragt bei einem deutschen Lieferer eine Reparaturleistung (Werklieferung) welche jedoch in Polen ausgeführt wird. Der deutsche Kunde tritt mit seiner deutschen Ust-ID auf.

    Kommt hier das reverse charge Verfahren zum tragen oder wird dies wieder durch die deutsch Ust-ID "vermieden"? Ortsbestimmung nach § 3 (7) Satz 1 UstG (dort wo am fertige Werk die Verfügungsmacht verschafft wird) wäre ja eigentlich Polen...

    Mir ist einfach nicht ganz klar ob die Angabe der Ust-ID grundsätzlich sämtliche Fälle überschreibt egal wohin die Lieferung ging bzw. wo die Leistung erbracht wurde... Ist jedesmal wenn ein deutscher Kunde mit deutscher ID auftritt der Fall automatisch als im Inland steuerpflicht zu betrachten (falls steuerbar) egal welche weiteren Umstände noch vorliegen?

    Hoffe ihr könnt mir hierbei Klarheit verschaffen...

    Viele Grüße
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #5 26. November 2018
  7. Macaslaut
    Macaslaut Erfahrener Benutzer
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    Hallo, Bilanzbuchhalter,

    Das Reverce-charge Verfahren wird nur bei den Leistungen und nicht bei den Lieferungen(in deinem Fall ) angewendet. Der Austausch von Ustd-nummern zwischen den Unternehmer ist wiederum nur bei den beweglichen Lieferungen ( Beförderung, Versendung etc.) relevant. In deinem Fall ist der Ort der Lieferung, wie du richtig geschrieben hast, Polen. Das ist weder eine Sonstige Leistung noch eine innergemeinschaftliche Lieferung. Die Rechnung muss mit der polnischen Umsatzsteuer ausgewiesen werden.
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #6 26. November 2018
  8. Bilanzbuchhalter
    Bilanzbuchhalter Neues Mitglied
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    Hallo Macaslaut,

    vielen Dank für deine Antwort. Ich kann allerdings deine Erklärung nicht ganz nachvollziehen.

    Versteh ich es richtig, dass das reverse charge verfahren nur bei Werklieferungen die ein Ausländischer Unternehmer im Inland erbringt einzusetzen ist? Und nicht bei einem deutschen Unternehmer im Ausland? Also nur von außen nach innen ^^ ...

    Wenn das so ist, dann handelt es sich bei der Werklieferung nach Polen doch um einen nicht steuerbaren Umsatz, da nach Ortsbestimmung die Verfügungsmacht in Poien verschafft wird. Also doch eine Rechnung ohne Ust?

    Wie wirkt sich hier der Auftritt des deutschen Kunden mit deutscher VAT aus? Der Ablauf der Leistung ist ja wie folgt: "Deutscher Lieferante -> Deutscher Kunde -> Ausführung bei polnischen Kunden des deutschen Kunden"

    Ich bin neu auf dem Gebiet und tu mir offensichtlich noch etwas schwer... hab nach meiner Ausbildung zum bibu erstmal jahrelang in einem unternehmen mit nur deutschen geschäften gearbeitet und hab neuerdings in ein international tätiges Unternehmen gewechselt... muss da erstmal wieder durchsteigen bei den themen... x_x -

    Vielen Dank für die Hilfe
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #7 28. November 2018
  9. Macaslaut
    Macaslaut Erfahrener Benutzer
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    Nein, das reverse Charge Verfahren wird nur bei Leistungen und nicht bei Lieferungen angewendet. Eine Werklieferung ist eine Lieferung und keine sonstige Leistung.
    Ja, das ist kein umsatzsteuerbarer Umsatz. Die Rechnung wird ohne deutscher Umsatzsteuer ausgestellt.[/QUOTE][/QUOTE]
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #8 28. November 2018
  10. Christian24
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    § 13b UStG (Leistungsempfänger als Steuerschuldner):

    (2) Für folgende steuerpflichtige Umsätze entsteht die Steuer mit Ausstellung der Rechnung, spätestens jedoch mit Ablauf des der Ausführung der Leistung folgenden Kalendermonats:
    1. Werklieferungen und nicht unter Absatz 1 fallende sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers;

    (5) In den in den Absätzen 1 und 2 Nummer 1 bis 3 genannten Fällen schuldet der Leistungsempfänger die Steuer …


    LG Christian
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #9 28. November 2018
  11. Macaslaut
    Macaslaut Erfahrener Benutzer
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    Vielen Dank, Christian, ändert aber an dem Ergebniss nichts- ohne deutscher Umsatzsteuer. Nur eben , wie das im Polen besteuert wird, muss man sich dort erkündigen. Wahrscheinlich auch Reverse-Charge.
     
    Reihengeschäft? - Frage zur umsatzsteuerlichen Beurteilung der Rechnungsstellung Beitrag #10 28. November 2018
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