Kunstobjekte im Jahresabschluss?

Diskutieren Sie Kunstobjekte im Jahresabschluss? im Jahresabschluss Forum im Bereich Buchführung / Buchhaltung; Beim HGB wäre die Sache inhaltlich klarer (BFH Urteile, HGB Kommentare), aber auch nicht so klar, das wir hier immer über "fair value" reden. Da geht...

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  1. ppetritsch
    ppetritsch Neues Mitglied
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    Was wäre denn eine Alternative zu Fair Value bzw. was denkst du würde auch Sinn machen?

    Was meinst du damit? IFRS ist doch z.B. für kapitalmarktorientierte Unternehmen sogar verpflichtet, nicht? Ich würde auch lieber das HGB betrachten, aber da es sich um die internationale Rechnungslegung handelt, denke ich dass nur die IFRS relevant sind, oder?

    Vielen Dank euch beiden für eure Antworten! :)

    Liebe Grüße,
    Paul
     
    Kunstobjekte im Jahresabschluss? Beitrag #11 9. Oktober 2017
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  3. sebacon
    sebacon Erfahrener Benutzer
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    Hi Paul, naja im HGB ist es doch recht einfach und klassisch.

    Nehmen wir an ein bilanzierendes 5-Sterne-Hotel kauft Bilder , einmal um sie in die Hotelzimmer zu hängen und eins - das richtig teure vom anerkannten Künstler XYZ ( über anerkannt kann man sich noch Gedanken machen )- sagen wir also um nicht die "alten Schinken" zu bemühen, man kauft etwas von Andy Warhol für das Konferenzzimmer.

    Die 0/8/15 Bilder kosten je Stück 2000,-

    Abstrakte und konkrete Bilanzierungsfährigkeit ist gegeben, das kann man überspringen.
    Zugang mit Kaufpreis
    Folgebewertung - irgendeine Nutzungsdauer von 5-15 Jahren würde ich so aus dem Bauch heraus annehmen.
    Gebrauchskunst halt, ein Begriff der wohl schon vor Ewigkeiten vom BFH geprägt wurde.

    Andy Wahrhol - sagen wir mal 1 Mio. Kaufpreis, ganz offenkundig keine Gebrauchtskunst. Hier liegt also nicht abnutzbares Anlagevermögen vor.
    Keine planmäßige Abschreibung.

    Brennt das Bild ab (und nebenher das Hotel auch , irgendwie muß ich gerade an Kuh Elsa denken, für die älteren unter uns ), klar: dann außerplanmäßige Abschreibung.
    Kommt es zum großen Einbruch auf dem Kunstmarkt und Warhol gilt nicht mehr als schick , sondern als furchtbar , die Preise purzeln , man muß (wie auch immer da die speziellen Kriterien sind) von einer dauerhaften Wertminderung ausgehen. dann Abschreibung auf den entsprechenden Wert .

    Also das völlig normale HGB -Programm und §-Kette.

    lg, Siggi

    PS.interessant wird es , wenn man über die Kirchen , Öffentliche Verwaltung redet , die ja von Kameralistik auf Bilanzierung umstellen. wie bewertet man "uralte" Kunst, Glocken, den Kölner Dom
     
    Kunstobjekte im Jahresabschluss? Beitrag #12 12. Oktober 2017
    Zuletzt bearbeitet: 12. Oktober 2017
  4. riese
    riese Super-Moderator
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    Hallo Paul,

    Kunstgegenstände können auch als Kapitalanlage erworben werden. Dann dienen sie zwar nicht dem unmittelbaren Betriebszweck (Produktion), wohl aber der Sicherung des Kapitals.

    Abschreibungen wären schon deshalb unsinnig, weil Du ja nicht davon ausgehst, dass sie sich abnutzen, sondern im Gegenteil zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis verhökert werden können. Sie sind deshalb wie Finanzanlagen zu behandeln, d.h. es ist die manuelle Abschreibung vorzugeben und der Wert am Jahresende dem aktuellen Verkehrswert (fair value) anzupassen.

    Es gibt übrigens Gegenstände, die gar keinen Fair Value haben, weil sie nicht veräußerlich sind, z.B.
    - Software, die durch Eingabe eines Freischaltcodes aktiviert wurde und nicht auf einen Dritten übertragbar ist
    - eine Gaststättenkonzession, die auf eine natürliche Person ausgestellt ist, nicht übertragbar ist und bei Aufgabe der Kneipe erlischt
    - eine Leasingsonderzahlung (Kaution), die auch bei einer vorzeitigen Rückgabe des Leasinggegenstandes "als aufgebraucht gilt"
    - GWG-Pools (die tatsächlich angeschafften Gegenstände können längst im Eimer sein).
    Nach IFRS wären diese Gegenstände bereits im 1. Jahr auszubuchen, weil sie einen Wert von 0,00 hätten (d.h. gleich als Aufwand zu behandeln). Nach HGB sind sie jedoch bei einer Betriebsfortführungsbilanz aufzuführen mit Zeitwerten, die ideell sind und keine Veräußerungswerte darstellen. Bei einer Betriebsveräußerung zu Buchwerten würden sie jedoch beim Nachfolger zum Firmenwert, weil der "für nichts" Geld bezahlt hat. Bei einer Zerschlagungsbilanz wären sie in einer Summe auf 0 abzuschreiben und auszubuchen.
    Diese Gegenstände werden "Rechengrößen" genannt und zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur aus AHK, einer (festen) Nutzungsdauer und einem Namen (hinter dem sich eine Luftblase verbirgt) bestehen. Eine spätere Neubewertung nach §253 Abs. 3 Satz 5 ist hier nicht möglich und auch nicht gewollt oder sogar gesetzlich (meist aufgrund steuerrechtlicher Vorschriften) verboten. Ihr einziger Zweck besteht darin, Geld, das man bereits "zum Fenster rausgeschmissen hat", nicht sofort als Aufwand zu verbuchen, sondern auf die Jahre zu verteilen, in denen man selbst noch einen wirtschaftlichen Vorteil davon hat. Kunstgegenstände gehören aber nicht dazu.

    Gruß
    Rainer
     
    Kunstobjekte im Jahresabschluss? Beitrag #13 12. Oktober 2017
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