MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA?

Diskutieren Sie MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? im Allgemeine Fragen zum Rechnungswesen Forum im Bereich Buchführung / Buchhaltung; Hallo ihr Lieben, ich hoffe hier kann mir jemand weiterhelfen. Ich habe bereits unzählige Beiträge sowohl hier im forum, als auch in Fachliteratur...

  1. MoonyPenny
    MoonyPenny Neues Mitglied
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    Hallo ihr Lieben, ich hoffe hier kann mir jemand weiterhelfen.

    Ich habe bereits unzählige Beiträge sowohl hier im forum, als auch in Fachliteratur etc. durchforstet, aber leider konnte ich meine Frage noch immer icht klären.
    Ich bin erst wenige Monate im Unternehmen und alleine für die Buchführung zuständig, jedoch nur vorbereitend und um das Tagesgeschäft zu erledigen, den Rest macht alles der Steuerberater. Nun sind der SB und ich unterschiedlicher Auffassung bzgl. der Reisekostenabrechnung.

    Folgender Sachverhalt:
    Mein Chef (Unternehmer einer Personengesellschaft) ist innerhalb eines Monats mehrfach 1 oder mehrtägig inkl. Übernachtung auf Reisen. Die Hotelrechnungen werden mit der Firmenkreditkarte bezahlt, für alles andere kommt er aus eigener Tasche auf.
    Wie ich die Hotelrechnungen, Parktickets etc. zu buchen habe weiß ich, mir geht es nun um die Erstattung der Verpflegungmehraufwendungen.
    Demnach prüfe ich, welche Pauschale ihm gemäß Ort und Charakter des Reisetages (Anreise/Abreise, Zwischentag ...) zustehen und kürze um 20% für Frühstück, da nicht explizit in der Hotelrechnung so benannt (da steht immer Servicepauschale), oder ggf. der anderen Mahlzeiten sofern Firmengelder dafür verwendet werden bzw. er diese durch Dritte gestellt bekommt.
    Aber er kauft sich untertags immer mal wieder etwas zu essen oder zu trinken - von irgendwas muss man ja leben - dass er mit seinem privaten Geld bezahlt. Mit allen diesen Belegen kommt da am Ende des Monats ein nicht so kleiner Betrag zusammen.

    Diesen würde ich ihm auch nicht erstatten, er hat ja bereits die Pauschale erhalten, allerdings habe ich einmal gelernt, dass man als Unternehmer zusätzlich die ganzen Kleinbetragsrechnungen für die sonstige Verpflegung auch berücksichtigen kann - als "sonstige nicht abzugfähige Betriebsausgaben (netto)" + die Vorsteuer mit ihrem jeweiligen Satz, um diese dennoch geltend zu machen. Als entsprechendes Gegenkonto habe ich an Privateinlage gedacht. Da fließt dann ja erst mal kein Geld, erst mit der UST-Erstattung kommt das evtl. zum tragen.

    Oder sehe ich das falsch und außer den VMA hast du als Unternehmer keine Möglichkeit deine tatsächlichen Kosten zu erfassen?

    Ich freue mich auf eure Antworten, damit ich hier endlich mal klar sehe.
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #1 8. November 2018
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  3. Vox
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    Ich würde mir gern ansehen, was der StB gegenteiliges zu Deiner Auffassung sagt. Vielleicht klärt das auch, ob der Unternehmer auch Mitarbeiter ist.
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #2 9. November 2018
  4. MoonyPenny
    MoonyPenny Neues Mitglied
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    Hallo Vox,

    meine Stb sagt nein, da er ja bereits die Pauschale erhalten hat.

    Ja er wird wie ein Mitarbeiter bewertet, allerdings alles was ihn betrifft auf separaten Konten für den Unternehmer.

    Nun war ich vor einer Weile in einem Seminar zu diesem Thema und dort ging es um Minibar-Entnahmen im Hotel. Diese werden ja auch als nicht abziehbare Betriebsausgaben gebucht (für mich ist das nichts anderes wie Snacks untertags) und nicht von den Pauschalen gekürzt. Bei reinen Arbeitnehmern verhält sich das natürlich anders, da stellt sich mir die Frage eben gar nicht, aber als Unternehmer-Gesellschafter?
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #3 12. November 2018
  5. riese
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    Hallo MoonyPenny,

    hier klaffen Handels- und Steuerbilanz gewaltig auseinander. In der Handelsbilanz kannst Du die tatsächlichen Kosten ansetzen und auch Personalkosten für den Komplementär.

    In der Steuerbilanz (oder Überleitungsrechnung) hingegen musst Du die tatsächlichen Reisekosten durch Pauschalen ersetzen und den Unternehmerlohn herausrechnen, so dass sich ein höherer Gewinn errechnet.

    Im Reisekostenrecht selbst bin ich allerdings auch nicht firm.

    Gruß
    Rainer
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #4 12. November 2018
  6. Vox
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    Hallo MoonyPenny,

    es ist wohl in der Tat eine etwas "abgehobene" Denkweise die zum VSt-Abzug aus den tatsächlichen Verpflegungskosten (nicht aus den Mehraufwandspauschalen) führt.
    Bevor ich versuche es kurz (und das bedeutet meist unvollständig) darzustellen hier ein Link, bei dem es einem erst wirklich verständlich wird, wenn man auch ganz weit unten die Kommentare liest.

    Gefährlich verkürzt: Die tatsächlichen Verpflegungskosten sind (wenn die Rechnung z.B. auf die GmbH, statt auf den GF Herrn Müller ausgestellt, bzw. Kleinbetragsrechnung) Betriebsausgabe. Das liest sich aus § 4 (5) EStG:

    (5) 1Die folgenden Betriebsausgaben dürfen den Gewinn nicht mindern:
    [...]
    5. Mehraufwendungen für die Verpflegung des Steuerpflichtigen. [...]


    Das Abzugsverbot § 15 (1 a) UStG nennt aber gerade § 4 (5) Satz 1 Nr. 1 bis 4, 7 und § 12 Nr. 1 EStG. Nicht enthalten ist § 4 (5) Satz 1 Nr. 5, in dem es um Verpflegungsmehraufwand geht. Somit ist der Vorsteuerabzug gegeben.
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #5 13. November 2018
    Zuletzt bearbeitet: 13. November 2018
  7. sebacon
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    Hallo, kleine Nebenfrage:
    da ich gottlob nur mit Kapitalgesellschaften zu tun habe, bin ich wohl beim Thema Personengesellschaften völlig raus
    Was für eine Personengesellschaft ist das denn ?
    Ich wäre jetzt vom Grundsatz erst einmal davon ausgegangen , dass man da im Regelfall Mitunternehmer ist und eher kein Mitarbeiter.

    lg, Siggi
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #6 22. November 2018
  8. riese
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    Hallo Siggi,

    da liegst Du völlig richtig - §15 Abs. 1 Nr. 2 EStG - sog. "Abfärbe- oder Infektionstheorie".

    Das ändert aber nichts an dem, was Vox schreibt, denn für den Vorsteuerabzug ist maßgeblich, wer Adressat der Rechnung ist. Und bei der Personengesellschaft handelt es sich um eine quasi-juristische Person, die sowohl Umsatzsteuerschuldner als auch Adressat einer Rechnung sein kann.

    Gruß
    Rainer
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #7 23. November 2018
  9. sebacon
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    Hallo,
    dann wären aber folgende Punkt zu beachten: ein Unternehmer kann natürlich aus seinen "Unterwegs-Fressereien" Vorsteuer ziehen .
    Für AN geht das aber nicht so einfach.
    Dazu bedarf es einer Rechnung die an die Firma adresssiert ist (oder halt Kleinbetragsrechnung , was beim Restaurantfuttern eher die Regel sein dürfte) .
    Das stellt also kein wirkliches Problem dar.

    Aber 2. Punkt , das Futtern für den Angestellten muß im Aufrag des Unternehmens passiert sein. Und der Nachweis dürfte der Knackpunkt bzw Anlass für Streit mit dem Prüfer sein .

    So mein Wissenstand zum Thema ; ich kann mich dunkel erinnern , dass diese Vorsteuerproblematik zwischen BMF und BFH lange strittig war und vor ca 10 Jahren (?)vom BFH entschieden wurde.
    Da ich damit aber bei mir im Job nicht wirklich zu tun habe , bin ich vielleicht nicht aktuell im WIssenstand , das als Einschränkung.

    lg, Siggi
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #8 24. November 2018
  10. Christian24
    Christian24 Erfahrener Benutzer
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    Generell: Soweit Rechnungen an die Firma vorliegen und die Leistung an die Firma erbracht worden ist, ist der Vorsteuerabzug auch bei auf Pauschalen beschränktem ertragsteuerlichem Betriebsausgabenabzug möglich.
    Auch in der Steuerbilanz sind alle Betriebsausgaben zu erfassen. Die Beschränkung des Betriebsausgabenabzugs mit der Folge eines höheren Gewinns geschieht erst außerhalb der Bilanz in der Steuererklärung.
    Steuerlich ist der Mitunternehmer kein Arbeitnehmer; aber das ist ein gänzlich anderer Sachverhalt als die sog. Abfärbetheorie gem. § 15 (3) Nr. 1 EStG, derzufolge auch eine vermögensverwaltende Personengesellschaft gewerblich wird, wenn sie auch gewerbliche Einkünfte über einer Bagatellgrenze erzielt.
    Das Problem ist nicht die Frage, ob der Angestellte im Auftrag des Unternehmers gegessen hat, sondern ob er die Verpflegungsleistung in eigener Person (mit Weiterberechnung an den Unternehmer) oder als Vertreter des Unternehmers empfangen hat. Ein Auftrag beschreibt das Innenverhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer; es geht aber darum, wie der Mitarbeiter nach außen gegenüber dem Restaurant aufgetreten ist.

    Dazu eine Empfehlung aus der Literatur (Burgmaier: Vorsteuerabzug aus Reisekosten in Form von Fahrtkostenerstattungen für Fahrzeuge des Personals, DStR 2001, 1833): die Zahlung sollte grundsätzlich mit einer Firmenkreditkarte erfolgen.

    LG Christian
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #9 24. November 2018
    Zuletzt bearbeitet: 24. November 2018
  11. MoonyPenny
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    Herzliche Dank für all eure Antworten.
    Damit ich dieses Problem in Zukungt nicht mehr habe, haben wir uns geeinigt, dass die Kleinbeträge (alles bis einschließlich 10,- €) nun vernachlässigt werden, alles darüber bezahlt er mit der Firmenkreditkarte, z.B. eine Restaurantbesuch. Somit erfolgt die Rechnungslegung dann auf Name der Firma und ich hefte die einzelnen Belege hinter die Kreditkartenabrechnung.

    Meine SB hat gelacht und gesagt "So kann mans auch machen" ...
     
    MwST aus tatsächlichen Kosten trotz VMA? Beitrag #10 10. Januar 2019
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